So hilft dir das Gesundheitssystem
Wenn du krank wirst, musst du dir in Deutschland meist keine Sorgen machen, ob du Hilfe bekommst. Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser, Rettungsdienste und viele andere Einrichtungen arbeiten zusammen, damit Menschen medizinische Hilfe erhalten und gut versorgt werden.
Dieses Zusammenspiel nennt man Gesundheitssystem. Es sorgt dafür, dass du behandelt wirst, wenn du krank bist, und Unterstützung bekommst, wenn du Pflege brauchst.
Wer hilft dir im Gesundheitssystem?
Zum Gesundheitssystem gehören viele verschiedene Einrichtungen, Berufe und Versicherungen:
- Ärztinnen und Ärzte: Sie untersuchen dich, stellen Diagnosen und behandeln Krankheiten.
- Krankenhäuser: Hier werden Menschen behandelt, wenn eine Behandlung in der Arztpraxis nicht ausreicht. Zum Beispiel bei Operationen, schweren Erkrankungen oder Notfällen.
- Rettungsdienste: Sie helfen bei medizinischen Notfällen. Rettungswagen und Notärzte versorgen Menschen vor Ort und bringen sie schnell in ein Krankenhaus.
- Apotheken: Hier bekommst du Medikamente. Apotheker und Apothekerinnen erklären dir, wie du die Medikamente richtig einnimmst und informieren über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten.
- Therapeutische Berufe wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie: Sie helfen bei der Behandlung und Rehabilitation.
- Reha-Einrichtungen: Hier werden Menschen nach Krankheiten, Operationen oder Unfällen behandelt. Ziel ist, dass sie wieder möglichst selbstständig leben und arbeiten können.
- Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste: Sie unterstützen Menschen, die im Alltag Hilfe brauchen. Zum Beispiel bei der Körperpflege, Ernährung oder medizinischer Versorgung.
- Gesundheitsämter: Sie kümmern sich um den Schutz der öffentlichen Gesundheit wie den Infektionsschutz.
- Versicherungen: Sie bezahlen viele medizinische Leistungen und sichern dich finanziell bei Krankheit, Pflegebedarf oder im Alter ab.
All diese Organisationen arbeiten zusammen und haben ein gemeinsames Ziel: Krankheiten behandeln, Gesundheit erhalten und Menschen nach Krankheit oder einem Unfall schnell wieder stabilisieren.
Wo du zuerst Hilfe bekommst
Bei gesundheitlichen Problemen ist deine erste Anlaufstelle in der Regel deine Hausarztpraxis. Dort wirst du zuerst untersucht. Wenn nötig, bekommst du eine Überweisung zu Facharztpraxen, ins Krankenhaus oder zu einer Therapie. Am besten ist es, wenn du gar nicht erst ernsthaft krank wirst und dein Leben aktiv und selbstbestimmt führen kannst.
Dafür kannst du selbst viel tun. Ein gesunder Lebensstil hilft, Krankheiten vorzubeugen. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Zeit zur Erholung. Auch Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen helfen, Krankheiten früh zu erkennen oder zu vermeiden.
Dabei unterstützt dich auch das Gesundheitssystem. Deine Krankenkasse bietet Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitsprogramme an. Dein Hausarzt oder deine Hausärztin kann dich beraten, welche Angebote für dich sinnvoll sind.
So kannst du gemeinsam mit dem Gesundheitssystem viel dafür tun, gesund zu bleiben und dein Leben aktiv zu gestalten.
Wer bezahlt das alles?
Medizinische Versorgung kostet Geld. Dazu gehören Arztbesuche, Krankenhausbehandlungen, Therapien und Medikamente. Damit alle Menschen medizinische Hilfe bekommen können, gibt es in Deutschland Sozialversicherungen. Sie unterstützen dich finanziell bei Krankheit, bei Pflegebedarf, Unfällen oder im Alter. Für diese Versicherungen zahlst du Beiträge von deinem Lohn. Dein Arbeitgeber zahlt ebenfalls einen Anteil.
Zu den wichtigsten Sozialversicherungen gehören:
- Krankenversicherung
- Pflegeversicherung
- Rentenversicherung
- Unfallversicherung
Welche Versicherung hilft wann?
Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Die Krankenversicherung hilft dir, gesund zu bleiben und zu werden.
Sie bezahlt viele medizinische Leistungen wie zum Beispiel Arztbesuche, Krankenhausbehandlungen, Medikamente, Untersuchungen, Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheitskurse und Impfungen. Außerdem unterstützt dich deine Krankenkasse mit Beratung und Informationen zu Gesundheit, Behandlungsmöglichkeiten und Vorsorgeangeboten. Wenn du krank bist und mehr als sechs Wochen nicht arbeiten kannst, zahlt die Krankenversicherung auch Krankengeld. So bleibst du finanziell abgesichert.
Soziale Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung hilft, wenn du im Alltag Pflege brauchst. Das kann durch Krankheit, Behinderung oder im Alter passieren.
Die Pflegeversicherung unterstützt zum Beispiel mit:
- Pflegegeld: Geld, das du bekommst, wenn dich Angehörige oder andere Personen zu Hause pflegen.
- Pflegedienst: Ein ambulanter Pflegedienst kommt zu dir nach Hause und hilft zum Beispiel bei der Körperpflege, beim Anziehen, bei Medikamenten oder bei medizinischen Behandlungen.
- Hilfsmitteln: Die Pflegeversicherung bezahlt bestimmte Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern. Dazu gehören zum Beispiel Pflegebetten, Rollstühle, Gehhilfen oder Notrufsysteme.
- Zuschüssen für den Umbau der Wohnung: Wenn eine Wohnung wegen der Pflege angepasst werden muss, kann die Pflegeversicherung Geld dafür geben. Zum Beispiel für eine barrierefreie Dusche, Haltegriffe im Bad oder eine Rampe.
Damit entschieden wird, wie viel Hilfe jemand braucht, prüft der Medizinische Dienst die Situation. Danach wird ein Pflegegrad festgelegt.
Deutsche Rentenversicherung (DRV)
Die Rentenversicherung hilft, damit du wieder arbeiten kannst und im Alter Geld bekommst.
Du bekommst Geld im Alter, wenn du lange gearbeitet und Beiträge bezahlt hast. Dieses Geld nennt man Rente. Die Rentenversicherung hilft auch, wenn du wegen Krankheit nicht mehr oder wenig arbeiten kannst. Dieses Geld nennt man Erwerbsminderungsrente. Außerdem bezahlt sie Rehabilitation (Reha). Reha soll dir helfen, wieder arbeiten zu können. Ein wichtiger Grundsatz lautet: Reha vor Rente. Das bedeutet: Zuerst wird versucht, deine Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Arbeitsfähigkeit bedeutet: Du bist gesund genug, um deine Arbeit regelmäßig auszuüben.
Die Rentenversicherung bietet auch Programme zur Vorbeugung von Krankheiten an. Ein Beispiel ist das Programm RV Fit. RV Fit richtet sich an Beschäftigte mit ersten gesundheitlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Stress oder Erschöpfung. In dem Programm lernst du zum Beispiel Übungen für Bewegung, Tipps für eine gesunde Ernährung und Strategien zum Umgang mit Stress. Ziel ist es, deine Gesundheit zu stärken, damit du langfristig arbeitsfähig bleibst.
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
Die Unfallversicherung hilft bei Unfällen bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg oder bei Krankheiten, die durch die Arbeit entstehen. Sie will deine Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz schützen.
Sie bezahlt zum Beispiel medizinische Behandlungen nach einem Unfall, Reha-Maßnahmen, Therapien, Hilfsmittel und Geldleistungen bei dauerhaften Schäden. Außerdem unterstützt sie Menschen dabei, wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren, zum Beispiel durch berufliche Reha oder Umschulungen. Wichtig: Die Unfallversicherung hilft nur, wenn der Unfall oder deine Erkrankung mit deiner Arbeit zusammenhängt.
Das deutsche Gesundheitssystem kann kompliziert wirken. Aber sein Ziel ist einfach: Menschen sollen medizinische Hilfe bekommen, wenn sie sie brauchen. Gleichzeitig kannst du selbst viel dazu beitragen, gesund zu bleiben – zum Beispiel durch Vorsorge, Bewegung und einen gesunden Lebensstil. So arbeiten du und das Gesundheitssystem gemeinsam daran, deine Gesundheit zu erhalten.
Wie kannst du das Gesundheitssystem für dich nutzen?
Viele Dinge im Gesundheitssystem werden automatisch geregelt. Einige Dinge musst du selbst erledigen, damit du Unterstützung bekommst.
Wenn du arbeitest, kümmert sich dein Arbeitgeber um viele organisatorische Dinge:
- Anmeldung bei den Sozialversicherungen
- Zahlung der Beiträge zusammen mit deinem Anteil
- Meldung eines Arbeitsunfalls
- Sicherheitsunterweisungen am Arbeitsplatz
- Maßnahmen zum Arbeitsschutz
- Weitergabe wichtiger Informationen an Versicherungen
Das musst du selbst klären, damit du die richtige Hilfe bekommst:
- Bei Krankheit rechtzeitig zum Arzt gehen
- Eine Krankmeldung sofort deinem Arbeitgeber melden
- Arbeits-/Wegeunfälle sofort deinem Arbeitgeber melden
- Sicherheitsregeln am Arbeitsplatz einhalten
- Arzttermine organisieren und wahrnehmen
- Überweisungen zu Fachärzten nutzen
- Medikamente wie verordnet einnehmen
- Angebote der Krankenversicherung zur Vorsorge nutzen wie Impfungen, Gesundheitskurse und Vorsorgeuntersuchungen
- Anträge auf Reha, Rente oder das RV-Fit Programm stellen
- Anträge auf Pflegeleistungen stellen
- Auf deine Gesundheit achten: Ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, Schlaf und Erholungsphasen, Verzicht auf Suchtmittel
Wenn du noch Fragen hast und wo du Hilfe bekommst:
Ärztlicher Bereitschaftsdienst
· Telefon: 116 117
· Hier bekommst du medizinische Hilfe, wenn deine Arztpraxis geschlossen ist.
Notruf
· Telefon: 112
· Bei lebensbedrohlichen Notfällen wie schweren Unfällen oder Atemnot
Unabhängige Patientenberatung
· Telefon: 0800 011 77 22
· Kostenlose Beratung zu Behandlungen, Krankenversicherung, Patientenrechten
Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums
· Telefon: 030 340 60 66
· Informationen zu Krankenversicherung, Pflege, Gesundheitsregeln
Deutsche Rentenversicherung
· Telefon: 0800 1000 4800
· Fragen zu Rente, Reha oder Erwerbsminderung.
Gesetzliche Unfallversicherung
· Telefon: 0800 60 50 40 4
· Fragen zu Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten.
Gesetzliche Krankenversicherung
· Telefon: 030 340 60 66 01
· Allgemeine Fragen zur Krankenversicherung.
Pflegeversicherung
· Telefon: 030 340 60 66 02
· Fragen zu Pflegeleistungen oder Pflegegrad.
Wenn du nicht sicher bist, welche Stelle zuständig ist, kannst du trotzdem anrufen.
Die Mitarbeitenden helfen dir gerne weiter.